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Oft mehr Luft als Glace: Industrie streckt Eis mit viel Luft

Mittwoch, 04. Juli 2001
Tg
Ein Kassensturz-Test brachte es an den Tag: Einige ...
Ein Kassensturz-Test brachte es an den Tag: Einige industrielle Hersteller pumpen mehr als die Hälfte Luft in ihr Eis, zudem bestehen grosse Geschmacksunterschiede zwischen einzelnen Produkten. Nur je eine von sechs getesteten Vanilleglacen erhielt das Prädikat «sehr gut» respektive «gut», drei dagegen ungenügende Noten. Deutlich am Schwanz rangierte die Coop-Glace. Mit ins industriell hergestellte Speiseeis eingepumpter Luft sparen die Hersteller Kosten, da sie entsprechend weniger Magermilch und Rahm benötigen. In der Regel bringen 1000 Milliliter Vanilleeis nur rund 500 Gramm auf die Waage. Diese Tatsache erklärt auch, weshalb der Inhalt oft nur in Millilitern statt in Gramm deklariert ist.

20 Prozent Luft genügen
Im Kassensturz-Partnermagazin «saldo» konnte Richemont-Konditoreichef Fredy Eggenschwiler zu dieser konsumentenfeindlichen Praxis Stellung zu nehmen: «Es ist irreführend, Glace nach Liter statt nach Kilo zu verkaufen. Eine gute Glace sollte nicht mehr als 20 Luft enthalten, die beim Gefrieren natürlich ins Produkt gelangt.»
Laut Fredy Eggenschwiler hängt einzig vom Fettanteil ab, ob eine Glace mastig ist: «Industrieeis hat viel mehr Fett als handgemachte Konditorenglace, da es länger lagerbar sein muss. Auch darum streckt die Industrie ihr Eis mit Luft.»
Weiter kommt hinzu, dass praktisch alle industriellen Hersteller statt den auf der Verpackung abgebildeten Vanilleschoten als Aromastoff das 105 billigere, chemisch hergestellte Vanillin verwenden.
Die im «saldo» dargelegten Tatsachen und Fredy Eggenschwilers Äusserungen boten wertvolle Aufklärungsarbeit, um den Konsumenten die Gründe für die erklecklichen Preisdifferenzen zwischen Industrieprodukt und handwerklich hergestellter Glace darzulegen.


3 Fragen an: Fredy Eggenschwiler, Konditoreichef Richemont Fachschule
  1. Warum haben Sie als Fachmann im Glace-Test des Kassensturzes nicht mitgemacht?
    Die Studioteilnahme im Degustationsteam habe ich abgelehnt, weil man dabei nur verlieren kann. Solch subjektive Tests bringen dem Konsumenten meines Erachtens wenig, wesentlich aussagekräftiger ist das kritische Aufdecken von Hintergründen rund um ein Produkt. Bei dieser Gelegenheit habe ich dem Kassensturz vorgeworfen, oft unfair zu recherchieren. Als Beispiel führte ich den Fall mit dem Farbstoff Tartrazin auf, wo dessen Verwendung in Verbindung mit einem Todesfall gebracht und als Untermalung Cremeschnitten aus gewerblichen Bäckereien gezeigt wurden. Heute ist der Einsatz des damals verbotenen Farbstoffs wieder erlaubt, was die Fragwürdigkeit jenes tendenziösen Berichts belegt.


  2. Wie hat der Kassensturz auf Ihre Kritik reagiert?
    Er hat Verständnis gezeigt und positiv auf mein Angebot geantwortet, künftig bei Fachfragen behilflich zu sein. Als erste Massnahme ist auf meine Anregung hin die «Luft-Geschichte» bei der Industrieglace übernommen worden. Ich wurde gebeten, solche Vorkommnisse auch in Zukunft zu melden.


  3. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?
    Es bringt eindeutig mehr, mit den Fernsehleuten konstruktiv zusammenzuarbeiten, als hintenrum über sie zu schimpfen. Als positives Ergebnis resultierte ein fairer, die Konsumenten objektiv aufklärender Bericht. Jeder Bäckermeister sollte den Draht zu den Medien seiner Region aktiv pflegen, es lohnt sich!
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